Jörg Bernards-Stiftung in Köln

Die Jörg Bernards-Stiftung wurde durch das Ehepaar Marianne und Helmut Bernards in 2007 im Angedenken an ihren einzigen Sohn Jörg gegründet. Dieser verstarb im Alter von 37 Jahren in 2002 nach 10jähriger Behandlung durch Herrn Professor Dr. Volker Sturm, Uniklinik Köln, an einem Hirntumor.

 

Die Gründer der Stiftung haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Forschungsarbeit von Herrn Professor Sturm in seinem Spezialgebiet Stereotaxie und Funktioneller Neurochirugie zu fördern und zu unterstützen, damit die Heilung anderer Patienten mit ähnlichen Erkrankungen Herrn Professor Sturm möglich gemacht wird.

 

Da diese Erkrankung jeden treffen kann, bittet die Jörg Bernards-Stiftung um Ihre Unterstützung. Spenden werden gerne angenommen unter Spendenkonto.

 

 

 

Zielsetzung der Stiftung:

Die Jörg Bernards-Stiftung fördert die Weiterentwicklung und Anwendung der stereotaktischen Neurochirurgie. Insbesondere die klinisch-operativen, neurowissenschaftlichen und physikalisch-technischen Forschungsarbeiten von Prof. Dr. Volker Sturm und seinen Arbeitsgruppen.

 

Stereotaktisch-neurochirurgische Verfahren sind wenig bis minimal invasiv, hocheffizient und mit einer außergewöhnlich niedrigen Nebenwirkungsrate belastet. Es handelt sich um bildgesteuerte, im Wesentlichen auf Magnet-Resonanz-Tomographie basierende Operationen, bei denen beliebige Instrumente computergesteuert mit höchster Präzision nahezu alle Hirnareale erreichen und beeinflussen können.

Ein wesentlicher Teil dieser Verfahren wurde in den 70er und 80er Jahren von Prof. Sturm gemeinsam mit Prof. Schlegel und anderen Arbeitsgruppen am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg entwickelt.

Die stereotaktische Operationstechnik erlaubt die zur Diagnosestellung und Bestimmung der optimalen therapeutischen Strategie notwendige schonende Gewebsgewinnung von bisher nicht operablen Hirntumoren sowie deren hochselektive Zerstörung durch Implantation von radioaktiven Strahlern direkt in das Tumorgewebe.

Ein zweiter, immer wichtiger werdender Schwerpunkt ist die stereotaktische Implantation von Elektroden und Hirnschrittmachersystemen in tiefe Hirnareale zur schonenden und voll reversiblen Modulation gestörter Hirnaktivität. Hiermit können bisher nicht therapierbare schwerste neurologische und psychiatrische Erkrankungen, wie fortgeschrittene Stadien des Morbus Parkinson, der Dystonie und schwere Tremorformen, aber auch von Zwangskrankheit, Tourette-Syndrom, Depression, Alkohol- und Drogenabhängigkeit sowie Demenz, behandelt werden.

Prof. Sturm ist emeritierter Lehrstuhlinhaber für Stereotaxie und Funktionelle Neurochirurgie der Universität zu Köln. Nach seiner Emeritierung wurde er von der Universität Würzburg als Senior-Professor für Neurochirurgie und vom International Neuroscience Institute (INI) Hannover, An-Institut der Universität Magdeburg, als Direktor für onkologische und restaurative stereotaktische Neurochirurgie berufen. Seit 6 Jahren ist er Lehrstuhlinhaber („Leibniz-Chair“) am Leibniz-Institut für Neurobiologie in Magdeburg und verfügt hiermit, wie auch durch ein weitverzweigtes Netz mit internationalen universitären und institutionellen Partnern über optimale Möglichkeiten zur Weiterentwicklung des von der Jörg Bernards-Stiftung geförderten Faches.

 

 

Mittel- und langfristig sollen unter anderem folgende Aufgaben angegangen werden:

 

1. Optimierung der stereotaktischen Operationsmöglichkeiten an der Universität Würzburg und dem INI Hannover zur Ermöglichung der Durchführung von klinischen Studien.

 

1.1 Hierzu müssen in Kooperation mit der Universitätsklinik Köln Computerprogramme erarbeitet werden, die schnelle intraoperative Operationskontrollen mit Röntgen-Bildwandlern ermöglichen.

 

2. Die bislang nur an wenigen Standorten Europas mögliche stereotaktische Tumortherapie soll an mehreren deutschen Zentren eingeführt werden, um dem großen Bedarf möglichst

flächendeckend nachzukommen.

 

3. Entwicklung digitaler neuroanatomischer Verfahren zur Identifikation und besseren Lokalisation von Zielarealen für die tiefe Hirnstimulation bei neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen.

 

4. Versuch der Entwicklung eines fokussierten Ultraschallsystems zur Neuromodulation, das

die Implantation von Elektroden und das damit verbundene Blutungs- und Verletzungsrisiko des Gehirns eliminieren wurde.

 

5. Durchführung klinischer Studien zur Effizienz der Neuromodulation mit unterschiedlichen

Techniken bei bislang nicht behandelbaren neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen.

 

 

Di

17

Jul

2012

Rettende Hirnschrittmacher

Presse

NEUROCHIRURGIE – Professor Volker Sturm hilft schwerstkranken Menschen mit seinen Operationen am Kopf

Professor Dr. Volker Sturm hat Schlagzeilen gemacht und wird es weiterhin tun. Trotz seiner kurz bevorstehenden Emeritierung forscht und operiert er weiter als international anerkannter Experte auf dem Gebiet der Hirnforschung und weil sich ihm schon allein beim Wort „Ruhestand“ die Nackenhaare aufstellen. 

Der 68-jährige Wissenschaftler ist mit Herzblut Mediziner, seine Leidenschaft ist das Gehirn, und er hat menschliche Größe. Professor Dr. Volker Sturm ist ein international renommierter Hirnforscher, ausgewiesener Experte für Hirntumore, einer der Pioniere auf dem Gebiet der Hirnschrittmacher und Direktor der Klinik für Stereotaxie und Funktionelle Neurochirurgie an der Universitätsklinik Köln – noch bis Ende Juli. Er ist der Allererste, der in Deutschland 1978 einen Hirnschrittmacher gegen Schmerzen implantierte.

Der international renommierte Gehirnspezialist ProfessorVolker Sturm (BILD: MAX GRÖNERT)
Der international renommierte Gehirnspezialist ProfessorVolker Sturm (BILD: MAX GRÖNERT)

Die große Zukunft der Hirnstimulation liegt laut Sturm in der Behandlung schwerster psychiatrischer Erkrankungen, die mit herkömmlichen Methoden nicht zu therapieren sind, sowie von Zwangskrankheiten, Depressionen, des Tourette-Syndroms sowie von Demenz- und Suchterkrankungen. Nach wie vor werden Hirnschrittmacher bei Parkinson und ähnlichen neurologischen Krankheiten eine wesentliche Rolle spielen. „Aber das ist fast schon Routine“, sagt der Professor, an dessen Kölner Klinik weltweit die meisten Hirnschrittmacher eingesetzt wurden.

»Ein Neurochirurg braucht hervorragende Neurologen und Psychiater im Team wie hier in Köln« – Professor Volker Sturm

Faszinierend und neu sind die Ergebnisse bei schweren Alkoholikern nach Implantation eines Hirnschrittmachers. Sie haben aufgehört zu trinken, und selbst wenn sie ein Kölsch trinken, „werden sie nicht mehr süchtig“, so Sturm. Die Rede ist von Menschen wie jenem Mann, dem eine Magensonde eingesetzt werden musste, weil der Alkoholmissbrauch bereits Speiseröhrenkrebs verursacht hatte. Die Abhängigkeit dieses Mannes aus geordneten Verhältnissen ging so weit, dass er sich morgens durch die Magensonde einen halben Liter Wodka einflößen musste, um den Tag zu überstehen. Mit einem Hirnschrittmacher konnte Volker Sturm ihn von der Geißel seiner Sucht befreien.

Die Ethik-Kommission hat zudem grünes Licht gegeben für eine Studie mit Heroinabhängigen. Außerhalb dieser Studie wurden bereits zwei schwerstabhängige junge Menschen mit dem Hirnschrittmacher therapiert. Mittlerweile brauchen sie weder Heroin noch die Ersatzdroge Methadon, aber nach wie vor sind sie süchtig nach Alkohol und Amphetaminen. Beachtliche Ergebnisse werden zudem bei Zwangskrankheiten und schweren Psychosen erzielt wie bei der Frau, die aufgrund eines Waschzwangs bis zu 50-mal am Tag duschte und die Körperhaut ruiniert hatte. Sturm: „Natürlich wissen diese Menschen, die unter solchen fürchterlichen Zwängen leiden, dass das, was sie tun, sinnlos ist. Sie können nicht dagegen an.“ Therapien helfen nicht mehr, nur der Schrittmacher im Hirn.

Die Implantation eines solchen Hirnschrittmachers ist allerdings nicht ohne Risiko. Die Operation dauert einige Stunden. Durch zwei Bohrlöcher mit einem Durchmesser von acht Millimetern wird die Sonde computergesteuert ins Hirn eingeführt. Die Hauptgefahr ist, dass Gefäße verletzt werden und es zu einer tödlichen Blutung kommen kann oder dass Infektionen auftreten. Sturm: „Das Infektionsrisiko beträgt zwei bis drei Prozent. Aber wir sprechen hier nicht von Infektionen des Gehirns, sondern der Haut. Das Risiko einer Blutung liegt bei 0,4 Prozent. Die letzten drei Jahre hier in der Klinik ist es zu keiner einzigen Hirnblutung gekommen.“ Je besser, je präziser und je routinierter der Gehirnchirurg und sein Team arbeiten, desto geringer das Risiko. Das Risiko minimiere sich auch mit dem Alter des Patienten: Je jünger, desto besser seien die Gefäße und desto sicherer sei der Eingriff: „Wie bei psychisch kranken Menschen, die meist jünger sind als Parkinson-Kranke.“

Die Angst der Patienten ist, dass durch das Einsetzen des Hirnschrittmachers Schäden in anderen Regionen des Gehirns auftreten könnten. Volker Sturm verneint das: „Es kann höchstens sein, dass der implantierte Hirnschrittmacher keine Wirkung zeigt oder als Nebenwirkung ein Kribbeln in Armen und Beinen auftritt und bei Parkinson-Kranken sich eventuell die Sprache verschlechtert, leiser und verwaschener wird. Diese Reaktionen sind durch Umprogrammierung des Impulsgebers jederzeit beherrschbar. Im Extremfall kann es sein, dass der Schrittmacher abgeschaltet werden muss.“ Dann sind die Nebenwirkungen zwar behoben, doch dem Patienten wurde nicht geholfen.

Die erfolgreiche Implantation eines Hirnschrittmachers steht und fällt mit dem Können des Neurochirurgen und seinesTeams. Volker Sturm: „Ein Neurochirurg darf das nie alleine machen. Er braucht hervorragende Neurologen und Psychiater wie hier in Köln.“ Diese Experten in ausreichender Zahl zu finden ist ein Problem. Derzeit gibt es bundesweit 30 Kliniken, die Hirnschrittmacher einsetzen können, aber viele schaffen kaum mehr als zehn Eingriffe pro Jahr, was nicht gerade dazu dient, das Können zu perfektionieren. Bis heute haben Sturm und sein Team rund 1300 Hirnschrittmacher zumeist bei Parkinson-Patienten implantiert – das sind weltweit die meisten.

Volker Sturm war auch der Erste, der einen Hirnschrittmacher bei einem Patienten implantiert hat, der über Wochen in einem schweren Koma lang und gravierende Infektionen hatte. „Nie wieder“, sagt Sturm, und die qualvolle Erkenntnis spiegelt sich in der Erinnerung an diesen Fall auf seinem Gesicht wider. Nach zwei Tagen war der Mann zwar wach, konnte sitzen und kommunizieren, „aber die Schäden im Gehirn waren zu groß. Wir haben ihm sein Elend bewusst gemacht, indem wir ihn aufgeweckt haben. Schrecklich.“ Erlöst wurde der Patient durch einen Infekt. „Dann konnte er sterben.“ Für Sturm ist es folglich unverständlich, dass noch vor wenigen Jahren in den USA und in der „New York Times“ ein unvorstellbarer Wirbel gemacht wurde, als man mit vergleichbaren Methoden und Ergebnissen einen Menschen aus dem Koma in die Erbärmlichkeit seines Lebens zurückgeholt hatte. Für den Hirnforscher Sturm hat trotz der unermesslichen Leidenschaft für seinen Beruf die Medizin da ihre Grenzen, wo sie dem Menschen nicht mehr dient. Das meint Sturm so, wie er es sagt, denn er hat zwei Dinge zutiefst verinnerlicht: die Demut vor der grenzenlosen Größe des menschlichen Gehirns und die Demut vor dem Leid der Kranken.

Zur Person

Professor Dr. Volker Sturm verlässt nach fast 25 Jahren als Direktor der Klinik für Stereotaxie und Funktionelle Neurochirurgie die Universitätskliniken Köln Ende Juli. Er kam 1988. Der 68-Jährige wird emeritiert.

 

Neue Heimat ist für den gebürtigen Heidelberger das „International Neuroscience Institute“ in Hannover, eine Privatklinik, deren Patienten zum Großteil aus dem Ausland kommen. Das Haus leitet der weltweit renommierte Professor Madjid Samii, unter anderem langjähriger Präsident der Weltgesellschaft für Neurochirurgie (World Federation of Neurosurgical Societies), der in seiner Klinik die Koryphäen unter den Hirnspezialisten versammelt – so auch Volker Sturm, der dort seit 2001 Direktor der Klinik für Stereotaxie und Funktionelle Neurochirurgie ist.

Seit 2005 ist Sturm auch an die Uni Magdeburg angebunden und hat am Leibniz-Institut für Neurobiologie einen Lehrstuhl, um Forschungen zu betreiben. An der Universität Würzburg wird Professor Sturm als Senior-Professor für stereotaktische Neurochirurgie seine Erfahrungen einbringen und Forschungsprojekte leiten. Dabei hilft ihm wesentlich das Geld aus der Jörg-Bernards-Stiftung. (mas)

 


Eine hochherzige Stiftung

FÖRDERUNG – Marianne und Helmut Bernards unterstützen Professor Sturm

Der Anlass für die Stiftung der Eheleute Helmut und Marianne Bernards ist erschütternd. Ihr Sohn Jörg, das einzige Kind, erkrankte mit 24 Jahren an einem Hirntumor und kam zu Professor Volker Sturm in Behandlung. Er konnte ihn nicht heilen, aber ihm zehn weitere Jahre schenken. Jörg Bernards starb im Juli 2002. Die Eltern konnten den Tod ihres geliebten Sohnes kaum verwinden. Marianne Bernards: „Aber wir wollten etwas tun, damit Jörg weiterlebt.“ Die Bernards gründeten 2007 eine Stiftung, deren Gelder ausschließlich den Forschungen von Professor Sturm zur Verfügung stehen. Der Unternehmer, der die Opus-Immobilien GmbH leitet, spendete bislang beachtliche 240 000 Euro. Sie gingen unter anderem in das Projekt „Hirnatlas“ ein, eine Software, mit der sich die Anatomie des Gehirns besser erkennen lässt, wodurch operative Eingriffe sicherer werden. In diesem Jahr stockten die Bernards die Stiftung um weitere 250 000 Euro auf.(mas)

Quelle: Kölner Stadt-Anzeiger

Autor: Marie-Anne Schlolaut

Foto Professor Sturm: Max Grönert

Artikel als PDF-Download
Aus: Kölner Stadt-Anzeiger (Dienstag, 17. Juli 2012)
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Fr

06

Jul

2012

Medienecho

Presse

Der Kölner Stadtanzeiger hat im Juni das Stifterehepaar aufgesucht und wird in Kürze einen Beitrag zur Stiftung veröffentlichen.

Do

31

Mai

2012

Dankschreiben nach gelungener Operation

Brief

Nach erfolgreicher Operation zur Tumor-Entfernung erhielt die Jörg Bernards-Stiftung ein Dankschreiben der Angehörigen.

Sehr geehrte Frau Bernards, sehr geehrter Herr Bernards,

ich danke Ihnen aus tiefem Herzen, daß durch Ihre Hilfe meine Schwester heute von Prof. A. Samii operiert wurde.
Der Tumor wurde in einer mehr als 7 Stunden dauernden, sehr komplexen Operation ohne Komplikationen ganz entfernt. Nach dem Aufwachen aus der Narkoze habe ich mich sehr gefreut, dass sie sehen und alle Körperteile bewegen konnte. Es ist das beste Ergebnis, welcher überhaupt denkbar war. Mit Ihrer Unterstützung haben Sie meiner Schwester und Ihren Kindern ermöglicht, dass sie ein Leben ohne Blindehit und ohne körperliche Behinderung führen werden können. Wir werden Ihre Menschlichkeit und Ihr Mitgefühl immer in uns tragen und dankbar sein, dass es Menschen wie sie und wie Prof. Sturm gibt.

In tiefer Dankbarkeit,
Majtanik Milan, meine Schwester Gabriela und ihre Kinder.

Jörg Bernards Stiftung

Vertreten durch den

Vorstand Helmut Bernards