ANGST VOR KRANKHEITEN

21 Oct 2008

 

Auf der zweiten und letzten Veranstaltung zu „Hirn, Humor und Sachverstand“ stellte das Publikum Fragen, die der Gehirnexperte Professor Volker Sturm heute beantwortet.

 

  1. Wie kann das Gehirn eines am Tourette-Syndrom erkrankten jungen Mannes, wie Sie es im Film zeigten, über Jahre, die die Krankheit andauerte, überhaupt etwas aufnehmen? Kann ein erkranktes Gehirn einwandfrei funktionieren?
    Ja, das ist möglich. (Anm. d. Red.: Beim Tourette-Syndrom leidet der Patient unter Zuckungen im Gesicht und am Körper und gibt zwanghaft starke Geräusche von sich). Denn die von der Krankheit betroffenen Hirnareale sind nicht zerstört und damit nicht mehr aufnahmefähig, sondern entweder blockiert oder überaktiv. Durch Stimulationen des Gehirns, also Implantation eines Hirnschrittmachers, können diese Störungen aufgehoben werden.

     

  2. Kann man Zwangserkrankungen operativ behandeln?
    Ja, und zwar solche Zwangserkrankungen, die durch medikamentöse Behandlung und Verhaltenstherapie nicht gebessert werden können. Das können Waschzwänge, Zwangsgedanken wie beispielsweise extreme Furcht, vergiftet zu werden, sobald man etwas berührt, Kontroll- und Ordnungszwänge sein.

     

  3. Warum erkennt man Hirntumore so spät?
    Manche Tumore bilden sich besonders in stummen Arealen des Gehirns, im sogenannten Marklager. Dort verursachen sie lange Zeit keine spürbaren Symptome und werden daher auch recht spät erkannt. Tumore, die in anderen Bereichen des Gehirns entstehen, sind früher erkennbar.

     

  4. Wo wird Serotonin produziert und kann man Serotonin künstlich zuführen (Anm. d. Redaktion: Serotonin ist ein Hormon und Botenstoff und steuert unter anderem Gemütszustände wie Depression und Angst, aber auch den Schlaf)?
    Serotonin wird in den Raphe-Kernen des Mittelhirns produziert. Man kann Patienten eine Vorstufe des Serotonins verabreichen, was aber nicht so wirksam ist. Es ist aber möglich, den Abbau von Serotonin medikamentös zu verlangsamen und dadurch die Serotonin-Konzentration im Gehirn zu erhöhen.

     

  5. Sind Depressionen vererbbar?
    Zum Teil. Es gibt bestimmte Formen, die vererbbar sind, aber das sollte in einer psychiatrischen Untersuchung abgeklärt werden.

     

  6. Zahlt die Krankenkasse das Einsetzen des Hirnschrittmachers?
    Wenn Bewegungsstörungen vorliegen, übernimmt die Krankenkasse die Kosten. Liegen psychiatrische Erkrankungen vor, sind Einzelanträge zu stellen.

     

  7. Welche Ursache haben Hirnblutungen? Sind sie lebensverkürzend? Gibt es Medikamente oder sind Eingriffe ratsam? Bildet sich so etwas zurück und regenerieren sich Defekte im Hirn?
    Hirnblutungen, also Schlaganfälle mit Lähmungserscheinungen oder Sprachstörungen, können durch Bluthochdruck entstehen, wenn zum Beispiel Blutgefäße einreißen, platzen oder wenn Gefäßmissbildungen vorliegen. Hirnblutungen können auch Folge von Unfällen sein, wenn Gefäße im Hirn reißen, insbesondere bei nicht rechtzeitig oder unsachgemäß durchgeführten medikamentösen Behandlungen. Je nach Ausmaß und Lokalisation der Hirnblutungen können sich Defekte vollständig regenerieren.

     

  8. Ist es einfacher einen Tremor zu operieren oder eine Akinese? Sie sagten in der Veranstaltung, dass die Akinese das größere Problem sei.
    In beiden Fällen kann man sehr gut operieren. Die Akinese ist eine starke Verlangsamung der Bewegung bei Parkinson-Patienten. Der Leidensdruck für Patienten ist bei Akinese sehr groß, ebenso bei Versteifung der Gliedmaßen oder der Wirbelsäulenmuskulatur. Bei Tremor, also sehr starkem Zittern, sind Operationen ebenfalls gut möglich.

     

  9. Behandeln Sie auch Tremor bei einem schweren Schlaganfall?
    Ja, abhängig vom Ergebnis einer sehr gründlichen Untersuchung im Kernspintomographen.

     

  10. Was genau ist Alzheimer, woher kommt die Krankheit, was sind die Auswirkungen?
    Das ist ein so komplexes Thema, das man nicht in wenigen Sätzen erläutern kann. Ich empfehle die Informationen im Internet bei „Wikipedia“. Als Laie kann man sich dort sehr gut kundig machen und weiß dann schon sehr viel.

     

  11. Wie erklären Sie, dass Menschen an ein Nahtod-Erlebnis Erinnerungen haben, obwohl sie in der Zeit bewusstlos waren, also messbar ohne Hirnfunktionen?
    Ich glaube nicht, dass es esoterische Nahtod-Erlebnisse gibt. Wenn man von Nahtod-Erlebnissen spricht, ist man nicht tot, sondern komatös. Das Gehirn ist nicht völlig funktionslos.

     

  12. Werden wirklich neue Zellen im Gehirn gebildet oder werden vielmehr nicht aktivierte Zellen wieder aktiviert?
    Beides.

 

 

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Quelle:

Kölner Stadt-Anzeiger

 

 

 

 

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